Statistiken

Wie heißt es so schön? Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Und tatsächlich gibt es in Österreich keine öffentlich zugängliche, bundesweit einheitliche Statistik, die ausweist, wie viele verkehrspsychologische Untersuchungen positiv bzw. negativ ausgehen, auch keine Differenzierungen nach Deliktarten (Alkohol, Drogen, Verkehrsauffälligkeit, Leistungsdefizite, Wiederholungsdelikte etc.).
Als grobe Orientierung kann man aufgrund der Erfahrungswerte sagen, dass die Durchfallquote bei den VPUs bei etwa 40-60% liegt. Man kann davon ausgehen, dass die Durchfallquote nach einer gezielten VPU-Beratung signifikant auf 15-30% sinkt. Offizielle Statistiken zu Erfolgsquoten nach Vorbereitung liegen weder in Österreich noch in Deutschland vor. Studien der Bundesanstalt für Straßenwesen in Deutschland zeigen jedoch, dass Personen mit positiver Begutachtung zu über 90 % innerhalb von drei Jahren nicht erneut verkehrsauffällig werden. Fachlich gilt Vorbereitung daher als zentraler Faktor für eine positive Prognose.
Dass eine verkehrspsychologische Begutachtung keine behördliche Schikane oder „Geldmacherei“ ist, zeigen eindrucksvoll mehrere wissenschaftliche Auswertungen aus Deutschland (wiederum: in Österreich gibt es keine Daten): Studien der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zeigen, dass nach positiver medizinisch-psychologischer Begutachtung (MPU) über 90 % der alkoholauffälligen Kraftfahrer innerhalb von drei Jahren nicht erneut auffällig werden (Berghaus et al., 2007). Langzeituntersuchungen weisen darauf hin, dass die Rückfallquote über einen Zeitraum von zehn Jahren auf etwa 25–33 % ansteigt (Hilger et al., 2012).
Für Österreich existieren keine vergleichbaren publizierten Rückfallstatistiken nach VPUs. Die genannten deutschen BASt-Studien gelten jedoch als Goldstandard der Prognoseforschung und werden auch im österreichischen Fachkontext regelmäßig zur Einordnung herangezogen.
 
Auch wenn die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) in Deutschland und die verkehrspsychologische Untersuchung (VPU) in Österreich in ihrer rechtlichen Ausgestaltung unterschiedlich geregelt sind, beruhen beide Verfahren auf denselben verkehrspsychologischen Grundlagen und verfolgen eine identische Zielsetzung: die prognostische Einschätzung der zukünftigen Verkehrsanpassung.
Die umfangreiche deutschsprachige Forschung zur Wirksamkeit der MPU – zusammengefasst u. a. bei Haufe (2024) sowie in Studien der Bundesanstalt für Straßenwesen – zeigt durchgängig, dass Personen mit positiver Begutachtung in den Folgejahren deutlich seltener erneut verkehrsauffällig werden. Kurzfristig bleiben über 90% ohne erneute alkoholbedingte Auffälligkeit, langfristig ist das Rückfallrisiko signifikant reduziert.
Diese Befunde sind inhaltlich auf die österreichische VPU übertragbar, da:
  • dieselben psychologischen Prognosekriterien angewendet werden,
  • vergleichbare Deliktlagen beurteilt werden,
  • und die Begutachtung in beiden Ländern auf nachvollziehbarer Einsicht, stabiler Verhaltensänderung und realistischer Risikoabschätzung basiert.
Auch wenn für Österreich bislang keine eigenständigen Rückfallstatistiken veröffentlicht wurden, spricht die internationale Evidenz klar dafür, dass die VPU ein wirksames Instrument der Verkehrssicherheitsarbeit darstellt. Eine positive Begutachtung ist dabei kein formaler Akt, sondern das Ergebnis einer tragfähigen persönlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Verkehrsverhalten.
Die VPU leistet somit auch in Österreich einen messbaren Beitrag zur Reduktion von Rückfällen und zur nachhaltigen Verkehrssicherheit.
 
 
Quellen:
Berghaus, G.; Hilger, H.; Stöckel, K. (2007). Prognosegüte der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU). BASt-Bericht, Reihe Mensch und Sicherheit, Heft M 178. Bergisch Gladbach: BASt
Hilger, H.; Berghaus, G.; Stöckel, K. (2012). Langfristige Bewährung nach medizinisch-psychologischer Begutachtung. BASt-Bericht, Reihe Mensch und Sicherheit, Heft M 218.
Schade, J.; Stephan, C. (2006). Prognosevalidität der MPU bei alkoholauffälligen Kraftfahrern. In: Zeitschrift für Verkehrspsychologie, 53(3), 101–110.
Stephan, C. (2014).  Verkehrsauffälligkeit und Rückfallrisiken alkoholauffälliger Kraftfahrer. In: Handbuch Verkehrspsychologie (Hrsg. Rothengatter & Huguenin).
Haufe. (2024). § 19 Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung – Wirksamkeit der MPU. In Haufe Straßenverkehrsrecht. Freiburg: Haufe Group.